Alter Falter! Was genau passiert gerade? Fühlt sich so der Anfang des Endes an?

Ich habe mir gestern überlegt wie sich wohl die Stadtbibliothek verändern wird, wenn die AfD erst mal lang genug regiert. Welche Bücher wohl verschwinden werden, und ob sie es mit einem großen Reine-Machen implementieren, oder ob es sich langsam einschleicht?

WAS ZUM FICK? Wo bin ich denn bitte gelandet, dass ich mir solche Gedanken beim abendlichen Nachhauseweg mache?

Ich bilde mir ein, inzwischen eine körperliche Stressreaktion auf den ganzen Scheiß zu bekommen. Ich dachte eigentlich wir hätten hier in Deutschland ein stabiles politisches System, und haben aus der Vergangenheit gelernt und speziell deswegen einige Besonderheiten ins System eingebaut. Schaut mir irgendwie nicht so recht danach aus, wenn es eine Partei innerhalb von 12 Jahren zugrunde richtigen kann?

Und nun kann ich in Echtzeit miterleben wie alles zerfällt? Wäre sicherlich ganz spannend zu beobachten, WENN MAN NICHT VERFICKT NOCH MAL MITTEN DRIN SITZT?!

Ich kenne das Gefühl in meinem Bauch, aus dem Jahr 2017 als die AfD mit über 12 Prozent in den Bundestag eingezogen sind. Damals konnte ich das noch irgendwie wegatmen, bei dieser Wahl sehe ich es als meine Pflicht an, die Angst in etwas positives zu wandeln.

Auch wenn ich es mir nicht so recht vorstellen kann, dass es etwas bringt, kann man ja doch irgendwie drauf reagieren? Man kann sich die Zeiten nicht aussuchen in denen man lebt, aber man muss es ja auch nicht einfach so hinnehmen? Irgendwie sind wir ja auch in den Schlamassel gekommen, also warum sollten wir nicht auch wieder raus kommen?

Was kann ich ab heute tun, damit ich in zehn Jahren ehrlich von mir behaupten kann, ich habe es zumindest versucht?

:wq!

  • Novocirab@feddit.org
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    1 hour ago

    Ich denke zur Zeit darüber nach, Aufklärungsmaterial über die AfD in verschiedenen relevanten Sprachen zu erstellen. Siehe hier für nähere Gedanken und für etwaige Diskussionen.

  • lurch (he/him)@sh.itjust.works
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    7 hours ago

    Die Leute hören es nicht gern, aber Proteste+Demos sind zwar gut, aber extrem ineffektiv.

    Effizienter sind z.B. zwischenmenschliche Kontakte, Hypes und gegen Nazis auch Bildung, Reisen in exotische Länder (z.B. im Verein, mit Pfadfindern oder Sportverein) und natürlich, als letztes Mittel zur Verteidigung der Verfassung, zielgerichtete Gewalt.

    • 7EP6vuI@feddit.orgOP
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      1 hour ago

      Bis auf die zielgerichtete Gewalt bin ich bei dir.

      Auch die zwischenmenschlichen Kontakte kommen mir sinnvoll vor, aber wem soll ich die denn angedeihen lassen? Ich bin ja jetzt schon kein Nazi und gedenke auch in nächster Zeit keiner zu werden, also sehe ich keinen großen Gewinn für die Allgemeinheit wenn ich mich Bilde oder Reise?!

  • sp3ctre@feddit.org
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    10 hours ago

    Dieser Mist ist definitiv beängstigend, das sehe ich auch so. Dennoch dürfen wir nicht vor Schock gelähmt sein. Wir brauchen alle einen kühlen Kopf.

    Daher kann man in Zeiten starker Unsicherheit dazu raten, öfter mal spazieren zu gehen. Das hilft mir auch gut.

    Weiterhin würde ich auch sagen, dass man sich politisch engagieren könnte, auch wenn es “nur” auf eine finanzielle Unterstützung einer Partei hinausläuft. Jede Unterstützung gegen rechts zählt.

    Das Gefühl irgendwas Sinnvolles zu tun lindert Ohnmachtsgefühle.

    • 7EP6vuI@feddit.orgOP
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      7 hours ago

      Forderst du mich also auf anderen Menschen körperliche Gewalt zuzufügen?

      Das ist keine Option für mich, und ich denke, dass das auch ganz allgemeine keine gute Handlungsoption ist.

      • RedPandaRaider@feddit.org
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        6 hours ago

        Und so kommen die Nazis wieder an die Macht… Gewalt ist die einzige Lösung gegen Faschismus.

        Der Faschismus wurde nicht zu Tode diskutiert. Er wurde mit einer Menge Munition und Bomben zu Knie gebracht. Um so länger man nur diskutiert und friedlich redet, um so mehr Gewalt wird es später brauchen.

        • 7EP6vuI@feddit.orgOP
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          2 hours ago

          Und inwiefern unterscheide ich mich dann von gewaltbereiten Nazis? Weil ich davon überzeugt bin für die gute Seite zu kämpfen?

          Das läuft doch dann nur auf eine Spirale von Gewalt hinaus?

          Sorry, aber da fehlt mir das Verständnis. Soweit dass Gewalt der einzige Ausweg ist, sind wir noch lange nicht. Ich hätte auch nicht gedacht, dass ich erwähnen muss, dass ich nach Lösungen innerhalb von geltendem Recht und Gesetz suche…

          • punkisundead [they/them]@slrpnk.net
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            1 hour ago

            Und inwiefern unterscheide ich mich dann von gewaltbereiten Nazis?

            Menschen die keine Nazis sind und Nazis körperliche Gewalt zufügen unterscheiden sich vornehmlich darin, dass sie keine Nazis sind. Also beispielsweise hegen sie keine rassenideologischen Vernichtungsfantasien und arbeiten auch nicht daran sie umzusetzen.

            Ich hätte auch nicht gedacht, dass ich erwähnen muss, dass ich nach Lösungen innerhalb von geltendem Recht und Gesetz suche…

            Doch das ist tatsächlich wichtig. So ist beispielsweise auch ziviler Ungehorsam in den meisten Fällen nicht vereinbar mit geltendem Recht und das ist ist eine relativ häufige Praxis wenn es darum geht Nazis den öffentlichen Raum zu nehmen. Dass du Dinge wie Sitzblockaden gegen Naziaufmärsche oder Blockaden von AfD Veranstaltungen (wie bspw in Essen oder Riesa) ausschließt ist schon super relevant für die Tipps, die du bekommst.

            Und ich bin zumindest der Meinung, dass sich auch innerhalb des gesetzlichen Rahmens effektiver Antifaschismus praktiziert werden kann. Deswegen wünsch ich dir dabei auch vom Herzen viel Erfolg und einen guten Einstieg!

    • the_wiz@feddit.org
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      12 hours ago

      Das ist der einzige Weg.

      …in den Knast und damit in die Handlungsunfähigkeit

        • 7EP6vuI@feddit.orgOP
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          1 hour ago

          Hast du das mal zu Ende gedacht? Ersetze mal “Nazi” mit “Linke” und “Linke” mit “Nazis” in deinen Gedankengängen und überlege ob sie dir dann immer noch gefallen. Nein? Dann sind es mit hoher Wahrscheinlichkeit doofe Ideen.

      • punkisundead [they/them]@slrpnk.net
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        9 hours ago

        Ich glaube das Beispiel RAF zeigt sogar im deutschen Kontext, dass Einknastung nicht automatisch Handlungsunfähigkeit einer Bewegung nach sich zieht.

          • punkisundead [they/them]@slrpnk.net
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            1 hour ago

            Ich hab nur behauptet, dass Inhaftierung einiger nicht zwangsläufig eine Bewegung in die Handlungsunfähigkeit zwingt. Dazu habe ich die RAF als Beispiel im deutschen Kontext verwendet.

  • the_wiz@feddit.org
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    14 hours ago

    Plan A: Das bei weitem wichtigste bleibt politisch aktiv zu sein, mit Menschen zu sprechen, Aufklärungsarbeit zu leisten und die neuen Nazis auf der politischen Bühne zu bekämpfen. Ein zivilgesellschaftliches Zeichen ist WICHTIG, auf der Straße aber noch mehr im Netz und den sozialen Medien. Es ist besser eine “Machtergreifung” zu verhindern als einen etablierten, autoritären Staat bekämpfen zu müssen.

    Plan B (kann auch unabhängig und parallel zu Plan A laufen): Es kann nie schaden sich fit zu halten, (Kampf-)sport zu machen und nach seinen Möglichkeiten resilient zu werden. Es kann auch nie schaden einem Schützenverein beizutreten und / oder zu schauen ob man (bei entsprechender Zeit und Eignung) in die BW Reserve kommt. Das Wissen um die Möglichkeiten der Selbstverteidigung und den Umgang mit “Meinungsverstärkern” kann sich in einer ungewissen Zukunft immer als nützlich erweisen.

    Es ist sowohl für Plan A als auch für Plan B wichtig sich zu vernetzen, VERTRAUENSWÜRDIGE Gleichgesinnte zu finden und unabhängige Kommunikationskanäle aufzubauen. Sich alleine gegen ein autoritäres Regime stellen zu wollen ist illusorisch und suizidal.

    • punkisundead [they/them]@slrpnk.net
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      9 hours ago

      Wenn du Schusswaffen Einsatz für ein relevantes Szenarios hälst, dann ist dazu passende Erste Hilfe mindrstens gemauso wichtig wie selbst shießen können.

    • Saleh@feddit.org
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      12 hours ago

      Wenn es “hart auf hart” kommt, dann nützt dir der Schützenverein nur, wenn du selber Zugang zu Waffen und Munition hast. Unbewaffnete Kämpfe sind auch oft ein n+1=Sieg Szenario.

      Fitness ist aus meiner Sicht die wichtigste Sache von denen, die du aufgezählt hast. Wer schneller rennen und härter zuschlagen / Steine werfen kann ist besser im Angriff, und wer mehr Gewicht und Muskelmasse hat, kann auch mehr einstecken.

      Siehe auch diese Szene aus Better Call Saul https://www.youtube.com/watch?v=9B3oem_56jg

      Ich denke bei Straßenschlachten spielt ein weiterer Faktor eine wichtige Rolle, den man nur bedingt im Sport oder bei der Reserve lernt. Mut. Es braucht Mut, mit jemandem zu kämpfen v.a. wenn sie gepanzert und bewaffnet sind. Es braucht Mut, um eine zahlenmäßige Überlegenheit auch auszuspielen, weil man in der ersten Reihe auch voll in die Fresse bekommen wird, egal ob man dann den Gegner überrollt. Es braucht aber auch schon Mut, um im Nazikiez Sticker zu kleben und Graffitis zu sprühen. Es braucht Mut, um gewagte Aktionen durchzuführen, wobei sich dann auch oft zeigt, dass die Umstehenden keinen Mut haben, etwas dagegen zu tun.

      Und für das historische Beispiel. Es brauchte auch jede Menge Mut, um die Leuten, die von den Nazis verfolgt wurden, bei sich zu verstecken. Es brauchte und braucht auch jede Menge Mut, um für Widerstandskämpfer Sachen zu schmuggeln und ähnliche nicht gewalttätige Aktionen durchzuführen.

      Neben der körperlichen Fitness, ist die geistige Fitness und Entschlossenheit mindestens genauso wichtig. Die kann man nur Trainieren, wenn man sich in Situationen begibt, wo diese gebraucht werden.

        • 7EP6vuI@feddit.orgOP
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          7 hours ago

          herunterwähler: bitte schaltet euch in die diskussion ein, und überzeugt uns, warum eine szene aus einem modernen märchen hier relevant ist.

      • the_wiz@feddit.org
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        11 hours ago

        Definieren wir erstmal den Punkt “wenn es hart auf hart kommt”… was bedeutet das?

        Nach meiner Ansicht wäre das eine Situation in der die AgD eine Mehrheit im Bundestag hat und auf Grund von Unterwanderung, Gleischschaltung oder Abschaffung von Institutionen keine ernsthafte politische Opposition mehr vorhanden, und eine Abwahl mit demokratischen Methoden nicht mehr möglich ist.

        Wenn wir an diesem Punkt angelant sind (was hoffentlich nie geschieht), dann reden wir nicht mehr darüber sich mit möchtegern Nazis auf der Straße zu kloppen, Aufkleber zu kleben oder Graffitis zu sprühen. An diesem Punkt würde es um den bewaffneten Kampf gegen eine staatliche Macht gehen, mit allen zu erwartenden Konsequenzen. Hier hilft dann tatsächlich die Mitgliedschaft im Schützenverein (gezieltes Schießen und die sichere Bedienung einer Waffe will gelernt und geübt sein [und bedenke: Eine Mitgliedschaft ist der erste Schritt zum Legalwaffenbesitz]), und / oder eben besser noch Zeit bei der Reserve (Bewegung in der Gruppe, Befehl- und Gehorsam, taktisches Vorgehen).

        Nach meiner persönlichen Erfahrung wird “Mut” deutlich überschätzt. Wer “mutig” ist, neigt dazu sich unnötigen und unklugen Risiken auszusetzen, und oft sind es in “scharfen” Situationen besonders die “mutigen” die zuerst zu Verlusten werden. Wichtiger ist es vorbereitet zu sein und seine Optionen zu kennen, wer vorbereitet ist neigt nicht so schnell zur Panik und kann agieren anstatt zu reagieren.

        • Saleh@feddit.org
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          10 hours ago

          Wenn man nicht mal mit etwas “Kleinem” anfängt, dann wird man auch nicht den Mut zu “Größerem” haben.

          Und wer sich nicht traut, in eine Schlägerei zu gehen, der wird dann auch nicht später mit dem Gewehr in der Hand eine Kugel in den Kopf risikieren.

          Das auch die “Kleinen” Sachen bereits eine Bedrohung für den Faschismus darstellen, hat man auch in der Geschichte gesehen. Sophie Scholl wurde für das Verteilen von Flugblättern hingerichtet… Hier ist es auch wichtig, dass jede Form von Widerspruch und Widerstand wichtig ist. Ein “ganz oder gar nicht”-Ansatz wird bei den allermeisten Menschen in “gar nicht” enden.

          • the_wiz@feddit.org
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            10 hours ago

            Hier ist es auch wichtig, dass jede Form von Widerspruch und Widerstand wichtig ist.

            Jup, deshalb bin ich ja - wie bereits geschrieben - immer noch der Meinung es ist besser die Nazis aufzuhalten BEVOR sie erst in die Regierung kommen und man nur noch den bewaffneten Kampf suchen kann. Wichtig ist halt wirklich sich selbst zu motivieren den Hintern hoch zu bekommen und aktiv zu werden - jetzt ist es noch einfach mit Demos, Aufklärung, Stickern und Graffities… in ein paar Jahren kann es anders aussehen.

  • NeoNachtwaechter@lemmy.world
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    16 hours ago

    Ich habe mir gestern überlegt wie sich wohl die Stadtbibliothek verändern wird, wenn die AfD erst mal lang genug regiert.

    Geh heute noch hin mit deinem Handy und fotografier die Regale. So dass man alle Buchrücken lesen kann.

    Das dauert eine halbe Stunde oder so. Könnte später wichtig werden.

    • 7EP6vuI@feddit.orgOP
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      7 hours ago

      hmmmmm! interessanter aspekt, beim fotografieren wäre es mir zu viel arbeit das dann zu vergleichen und zu kategorisieren. aber man könnte das wahrscheinlich auch automatisiert über den katalog auslesen…

      aber was mach ich dann am ende mit der information? wenn wir schon so weit sind, beindruckt man mit der statistik auch niemanden mehr?!

  • juergen@feddit.org
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    1 day ago

    tldr Ideen:

    • tritt verdi bei. Verdi macht großartige arbeit gegen rechts. Die haben z.B. sehr viel an “widersetzen” mitgewirkt und über die organisiert sich hier in meiner stadt (in NRW) gerade stark der antifaschistische widerstand im sinne eines bündnisses. Allein deshalb schon um das zu würdigen haben die mehr mitglieder verdient.
    • besonders Kapitel 4,5,6 vom Antifa Handbuch https://theanarchistlibrary.org/library/mark-bray-antifa-the-antifascist-handbook
    • Arne Semsrott “machtübernahme” https://black-mosquito.org/de/arne-semsrott-machtubernahme.html
    • Wie organisiert man einen generalstreik; deutscher und englischer Wikipedia Artikel dazu lesen: https://de.wikipedia.org/wiki/Generalstreik
    • Erkenntnis dass viele andere menschen in deiner konkreten umgebung exakt dieselben gefühle haben wie du. -> Vernetz dich mit denen. Bündnisse aus Gewerkschaften, Parteien, Vereinen, etc. bilden.
    • Vorträge organisieren. Beipsiel: Lesung mit Arne Semsrott organisieren, ein Mensch der Generalstreiks erklärt
    • militanten antifaschismus kritisch aber solidarisch reflektieren. https://black-mosquito.org/de/militant-anti-fascism-a-hundred-years-of-resistance.html
    • “Sprachen der Ermächtigung. Warum militanter Protest die Demokratie stärkt.” https://black-mosquito.org/de/sprachen-der-ermachtigung-warum-militanter-protest-die-demokratie-starkt.html
    • Mehr über gefühle lernen. Über deine eigenen, z.B. auch überforderungsgefühle und gesunde strategien mit umgang mit stress
    • konkret: versuch zu erkennen wenn du wütend, frustriert bist. Erfahrungsgemäß sind diskussionen in politischen gruppen dann nicht zielführend und es ist sinnvoll wenn du erstmal deinen frust abbauen kannst und dann wieder politisch zu diskutieren.
    • der kampf gegen den faschismus ist ein marathon, kein sprint; achte auf dich selbst und deine bedürfnisse. von dir und deinem körper.
    • In südamerika gab es einige faschistische regierungen (bolsanaro bspw) - da gibts bestimmt einiges an erfahrungswissen wie man da so überlebt und mit umgehen kann.
    • in wahlkampfgesprächen für die linkspartei “auf der straße” mit migrantischen menschen hab ich viel gelernt. --> gutes zuhören ist da voll nice. buchempfehlung “the lost art of listening”
    • ebooks kann man kostenlos und illegal von https://annas-archive.org/ herunterladen.
    • passende zeitschriften: LOTTA, der rechte rand, antifaschistisches infoblatt.
    • Versuch einen klaren kopf zu bekommen. Wenn du im panik modus bist kannst du nicht so gut analytisch denken. -> Versuch dir gute gewohnheiten (Meditation, yoga) anzugewöhnen. Dann bist du effektiver wenns drauf ankommt. Und sei es eine Atemübung wenn Neonazis mit dir bus fahren wollen (-> Eigene Erfahrung aus Chemnitz)
    • Selbstverteidigungskurs besuchen. z.B. Krav Maga oder so.
    • allgemein viele bücher lesen. Das ermöglicht dir mit wenig ressourcen gezielt eine wirkung zu entfalten.
    • Gefühlt haben kommunistische und anarchistische und sonstige Bewegungen immer bisschen eine andere Analyse wie faschismus funktioniert und besiegt werden kann. Kann empfehlen dir mal alles solidarisch aber kritisch anzugucken und deine eigene Analyse daraus zu ziehen. Gibt kein Allheilmittel und man kann von allen perspektiven lernen.
    • Persönlich merke ich, wie queere zärtlichkeit und ermutigung für self care großartig angenehm ist für solche zeiten.
    • Evtl beruflich gucken ob du stunden reduzieren kannst um mehr zeit zum nachdenken, lesen und politisch aktiv sein hast.
    • psychologische bücher lesen und verstehen wie emotionen zur manipulation genutzt werden oder bspw inwiefern man für verschwörungstheorien anfällig ist oder wie aus psychologischer sicht stressmanagement funktioniert.
    • Es gibt Leute die seit 10, 20, 30 jahren (oder mehr) antifaschistische (oder daran angrenzende) arbeit machen. Es kann sein dass deren Expertise nicht offensichtlich ist, wenn Mensch schüchtern und unscheinbar neben dir sitzt. Aber ich kann empfehlen, bei deinen gegenübern ein gewisses spektrum der möglichkeiten anzunehmen: es könnte eine sehr erfahrene oder unerfahrene person sein. Gender oder Alter oder sonst was sagt nichts darüber aus.
    • Versuch von der Expertise der erfahrenen Leute zu lernen (das ist leichter gesagt als getan weil die erfahrenen manchmal schwierigkeiten haben ihre expertise in worte zu fassen) aber dennoch auch deine Kreativität und deinen “frischen Blick” nicht zu unterschätzen.
    • Beschäftige dich mit der Strategie von Götz Kubitschek und Martin Sellner. Nur wenn du die verstehst, wird deutlich warum die CDU/Merz sich verhält wie er sich verhält. (tldr, er ist in die Falle von Götz Kubitschek gelaufen und merkt es nicht). Martin Sellner führt die Strategie in der Praxis durch.
    • Veronika Kracher: Incels. Geschichte, Sprache und Ideologie eines Online-Kults https://black-mosquito.org/de/veronika-kracher-incels-geschichte-sprache-und-ideologie-eines-online-kults.html
    • Menschen mit Diskriminierungserfahrungen (Rassismus, Sexismus, Queerfeindlichkeit, Ableism, Antisemitismus) wird es härter treffen als Menschen ohne Diskriminierungserfahrungen. Das bedeutet aber auch dass diese Leute häufig sich selbst schon lange damit beschäfitgen und es nicht so geil wirken kann wenn menschen ohne diskriminierungserfahrungen “wie ein held” jetzt alles anpacken wollen. Also ich erinnere mich an feministische Kritik wo Leute sich unwohl gefühlt haben weil Cismännliche Macker mit ihrem “Heldentum” ihre eigene Arbeit irgendwie unsichtbar gemacht haben. Weil sonst wären sie ja kein held mehr wenn sichtbar wäre wie groß die vorarbeit der betroffenen war. Zudem ist heldentum insofern problematisch weil es dazu führt dass du nicht mehr MIT leuten kämpfst und ihnen irgendwie ihre eigenständigkeit raubst. -> tldr heldentum doof.
    • 7EP6vuI@feddit.orgOP
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      1 hour ago

      Wow! Danke für diese ausführliche Liste. Am besten gefällt mir das erste: Mir sind auch die verdi Fahnen bei der Demo aufgefallen, aber ich wäre nicht drauf gekommen dass man da Mitglied werden kann, oder sich engagieren kann. Das werde ich mal ins Auge fassen.

    • beetsnuami@feddit.org
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      26
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      1 day ago

      Ich muss beim Punkt „Arbeitszeit verkürzen“ sehr stark zustimmen. Falls das möglich ist, ist es ein absoluter game-changer für nachhaltigen Aktivismus.

      Und bei aller Theorie auch ganz einfache Sachen nicht vergessen:

      • BUND bietet viele Veranstaltungen zum Mitmachen an → da fühlt man sich selbstwirksam und trägt etwas dazu bei, dass ein Ökosystem gepflegt wird
      • Leuten helfen, verschlüsselte Messenger (Signal, Matrix) zu benutzen und weg von Meta & X zu kommen, damit sie weniger leicht manipuliert werden können
      • mal ne Kleidertauschparty schmeißen, das spart Leuten Geld und macht Spaß
      • Sachen (Bücher, Artikel, Fernsehserien) runterladen und sich nicht auf die Cloud verlassen
      • 7EP6vuI@feddit.orgOP
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        1 hour ago

        Auch gute Punkte. Als bekennender Klugscheißer muss ich allerdings einwenden: Ich will mich nicht selbstwirksam fühlen, sondern selbstwirksam sein. Dabei kann ich mich auch gerne schlecht fühlen, solange es was bringt. Gut mag vielleicht nicht super nachhaltig sein, wenn man sich irgendwo hinquälen muss, aber ich will das ja eigentlich nicht für mich machen…

  • Shtef@feddit.org
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    23 hours ago

    Habe heute mit nem Kumpel darüber gequatscht. Wir waren uns ziemlich einig, dass ehrenamtliche Arbeit, in nicht Rechtsextremen bereichen generell sinnvoll ist. Dadurch fördert man das miteinander zwischen diversesten Menschen, was akzeptanz schafft. Und dazu trägt man noch dazu bei, eine Gesellschaft zu schaffen, die es zu schützen lohnt.

    Wir sind beide Studis und daher sind wir in unseren Fachschaften bzw in der Verfassten Studierendenschaft unserer Universität aktiv. Aber auch als Schüli kann man in der SV einfluss auf den Schutz von Demokratischen Werten nehmen. Aber auch durch das Mitwirken in Sportvereinen oder auch Kirchengemeinden kann man dort für mehr Akzeptanz und Toleranz sorgen.

    Wir sind mitlerweile an einem Punkt, wo das ausstoßen der Leute aus der Gesellschaft einfach nicht mehr funktioniert. Man muss klar zeigen, dass rechtes Gedankengut nicht tolleriert wird, jedoch sollte man aus meiner Sicht Rechten trotzdem eine Perspektive in einer Welt von Toleranz bieten. Vielleicht bin ich da zu optimistisch, aber ich glaube, dass sich Menschen ändern können und wieder auf einen sinnvollen Pfad gelangen können. Andersherum hat es ja funktioniert, sonst wäre der schnelle Rechtsruck ja keine Erscheinung der letzten paar Jahre gewesen.

    • 7EP6vuI@feddit.orgOP
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      6 hours ago

      bin schon auch ein bisschen ehrenamtlich aktiv, halte ich auch generell für halbwegs sinnvoll, aber ich glaube nicht, dass ich damit menschen mit rechtem gedankengut erreiche. oder zumindest sind sie gut darin diese gedanken zu verstecken.

      man könnte argumentieren, dass man durch eine gelebte gemeinschaft verhindern kann, dass sich mehr menschen auf die rechte bahn gelangen, aber das ist mir glaub ein bisschen zu passiv, und zu indirekt.

  • Teppichbrand@feddit.org
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    1 hour ago

    Atme erstmal durch, geh spazieren und bleib konstruktiv. Ja, das Ergebnis ist größtenteils doof bis scheiße, aber eine schlechte Wahl in Deutschland ist nicht das Ende der Welt.
    Mobilisierung ist aber ein Problem. Sobald man die eigene Wohnung und das Internet verlassen müsste, tun es die Meisten nicht. Jetzt ist aber ein guter Zeitpunkt, dich lokal umzuschauen. Kontakte sind immer gut und Aktivismus, egal in welcher Form, hilft dir aus der Hoffnungs- und Hilflosigkeit.
    Bleib zuversichtlich, such dir Verbündete und versuche den Scheiß nicht an dich ran zu lassen. Schau auf Lösungen statt auf Probleme, Panik und Angst hilft weder dir noch deinen Mitmenschen.

    • 7EP6vuI@feddit.orgOP
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      2 hours ago

      Danke für die aufmunternde Worte! Ich befürchte nur, dass wenn ich es (wieder) auf die leichter Schulter nehme ich die ganze Geschichte auch gut komplett verdränge und gar nichts mache… muss ich vielleicht die passende Balance finden…

  • it_depends_man@lemmy.world
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    22 hours ago

    imo gibts da leider genau zwei Perspektiven :

    1. es gab noch nicht genug Anti-Rechten Aktivismus
    2. der Anti-Rechte Aktivismus funktioniert nicht

    Ich persönlich glaube eher an das 2. Die AfD mag als Reaktion falsch sein, aber das Gefühl das was nicht stimmt ist auf jeden Fall real, egal ob es jetzt tatsächlich an Migration liegt, was ich nicht glaube, oder an anderen Themen wie Vermögensverteilung, o.ä…

    Ganz besonders überzeugt mich nicht, wenn “für Demokratie” auf die Straße gegangen wird und dann mein Alltag genau gar nicht “demokratischer” geworden ist.

    Ich bin jetzt einer Partei beigetreten. Ich glaube nicht daran das es funktioniert, also ich rechne mit verkorksten, linientreuen Idioten die ihre Parolen grölen und lieber 3 Bier trinken als gut für sie wäre und dann 10 Seiten mehr an das Parteiprogram drantackern. Aber ich will es mal probieren und guck es mir mal von innen an.

    Egal was getan werden muss, es muss funktionieren!! Ich hoffe darauf wenn die Leute das merken, das es funktioniert, das man dann die 20% wieder runter kriegt.

    • 7EP6vuI@feddit.orgOP
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      1 hour ago

      Anti-Rechte Aktivismus funktioniert nicht

      die frage ist was deren funktion ist. es ist ja (leider) kein zauber, und am nächsten tag sind plötzlich alle rechtsradikalen weg. aber vielleicht reicht es ja auch, wenn die aktiven in den vereinen und gewerkschaften sehen, dass sie nicht alleine sind und dadurch wieder mut und energie schöpfen?

      Ganz besonders überzeugt mich nicht, wenn “für Demokratie” auf die Straße gegangen wird und dann mein Alltag genau gar nicht “demokratischer” geworden ist.

      ich glaub die ersten großen anti rechts demos haben schon auch eindruck auf die rechten gemacht, sonst hätten sie sich ja nicht die mühe gemacht das als fake hinstellen zu wollen?!

    • bestboyfriendintheworld@sh.itjust.works
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      11 hours ago

      Der Anti-AfDRechts Aktivismus wird vom Elfenbeinturm des linken Rands lautstark mit Maximalpositionen dominiert. Schon die Wortwahl is ein Problem „rechts“ statt „rechtsextrem“. Damit wird ein großer Teil der Demokraten in Deutschland ausgeschlossen.

      Die CDU wird routinemäßig als faschistisch beschimpft. Die Grünen sind schon verdächtig weil sie etwas restriktivere Migrationspolitik wollen.

      Eine andere Migrationspolitik wird von der großen Mehrheit der Bevölkerung und der Parteien unterstützt. Das ist also der demokratische Wille des Volkes. Trotzdem wird die Haltung zu Migration als Lackmustest verwendet. Wer nicht für offene Grenzen ist, ist quasi schon ein Nazi.

      Das demokratische Lager wird dadurch aktiv gespalten statt zusammengeführt. Die Sozialfaschismustheorie aus der Weimarer Zeit wird gerade wiederholt. Damals fand die KPD es wichtiger die SPD zu bekämpfen als die Nazis.

      Im Moment richtet sich die meiste Energie gegen die CDU. Die wird von rechts umgarnt und gelobt und von links permanent beschimpft. Dabei brauchen wir die CDU um die Demokratie in Deutschland zu sichern. Die Brandmauer funktioniert nur mit allen demokratischen Parteien.

      Der fundamentale Denkfehler von Linksaußen ist es nur in Narrativen zu denken und ideologisch festgefahren zu sein.

      Es ist noch immer so, dass Linke islamistische Morde als Anlass sehen gegen Rechts zu demonstrieren, statt gegen Islamismus. Das kann nicht funktionieren.

      Auch Linke müssen glaubhaft gegen Islamistische Mörder und zugereiste Gewalttäter stehen. Belastungsgrenzen der Gemeinden bei Immigration und Integration werden ignoriert. Das wird aber bei jeder Gelegenheit vermieden um nicht „rechte Narrative zu bedienen“. Inzwischen sind wir leider soweit dass die Alltagsrealität als zu rechts abgelehnt wird.

      Der Erfolg der AfD bei der Arbeiterklasse wird kompliziert wegerklärt mit theoretischen Textwänden. So gewinnt man die nicht zurück.

      Die linke Idee ist, dass es ausreicht gegen ein Narrativ zu kämpfen und die Diskurshoheit zu erlangen indem man seine Seite als moralisch überlegen darstellt. Das eigene Narrativ durchzusetzen ändert jedoch nichts an den realen Gegebenheiten. Das ist die Lektion aus dem Aufstieg der AfD.

      Was getan werden muss ist dem Vorbild Dänemarks zu folgen. Das ist seit Jahren ein Erfolgsmodell.

    • Saleh@feddit.org
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      12 hours ago

      Ganz besonders überzeugt mich nicht, wenn “für Demokratie” auf die Straße gegangen wird und dann mein Alltag genau gar nicht “demokratischer” geworden ist.

      Es braucht konkrete Forderungen, deren Erfolg “messbar” ist, und für deren Missachtung es eine glaubwürdige Eskalation gibt.

  • punkisundead [they/them]@slrpnk.net
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    1 day ago

    Du fragst danach was du tun kannst, gerade wäre aber auch die Frage interessant was du gerade brauchst. Möchtest du mit Menschen darüber sprechen, ähnlich denkende Treffen und dich mit denen Austauschen, Perspektiven lernen, Hoffnung schöpfen oder doch was ganz anderes?

    Vielleicht helfen dir Antworten auf die Fragen auch zu sehen, wo du am besten ansetzen kannst. Ich persönlich könnte mit den von dir beschrieben Gefühlen zum Beispiel kein Buch lesen, ich würde stattdessen Gemeinschaft und Solidarität fühlen wollen und das damit auch zurückgeben können.

    • 7EP6vuI@feddit.orgOP
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      2 hours ago

      Ich glaube ich würde mich da versuchen unterzuordnen, und das mit den größten Erfolgschancen wählen (natürlich alles in einem gewissen Rahmen). In ein paar Tagen kann ich auch ganz bestimmt ein Buch lesen, bin schon auch ganz gut im verdrängen.

      Ich glaub dem entsprechend wäre ich auch in der “doch was ganz anderes” Kategorie. Die Sachen die du Nennst (Treffen, Austausch, Perspektiven) wären bei meiner Idealvorstellung nicht Selbstzweck, sondern ergeben sich als Teil der Aufgabe.