Der einzelne Sparplan bewegt den Kurs von Apple nicht messbar, aber die kollektive Nachfrage von Millionen Anlegern, die in dieselben Indizes investieren, bleibt nicht folgenlos.
Nein, ich denke auch Millionen von Index-ETF Anlegern haben praktisch keinen Effekt auf den Apple Kurs.
Es ist reine Symptombekämpfung. Es gilt den Bedarf nach US Big Tech Produkten zu reduzieren. Dann werden die Index-ETFs auch automatisch weniger von denen kaufen, weil deren Kurs/Anteil sinkt.
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Ich kann auch wunderbar kein Big Tech nutzen und dort investiert bleiben. Gegen individuelle Konsequenzen geopolitischer Verwerfungen sichert mich das trotzdem ab.
Du nutzt kein Google mehr, hast WhatsApp gelöscht und dein Browser sendet keine Daten an Microsoft. Glückwunsch, du hast den digitalen Stecker gezogen. Aber hast du mal einen Blick in dein Depot geworfen?
Das Problem mit dem MSCI World
Der MSCI World gilt als Standardempfehlung in der deutschsprachigen Finanz-Community. »Einfach einen ETF auf den MSCI World kaufen und liegen lassen« – das klingt vernünftig, und in vielen Punkten ist es das auch. Doch der Name täuscht. Von einer ausgewogenen Abbildung der Welt kann jedenfalls keine Rede sein.
Der Index enthält aktuell rund 1300 Unternehmen aus 23 Industrieländern. Klingt breit gestreut, ist aber stark von den USA geprägt: Der US-Anteil liegt derzeit grob bei rund 70 %. Und ein erheblicher Teil davon entfällt auf wenige Konzerne: Apple, Microsoft, Nvidia, Amazon, Alphabet und Meta bringen es zusammen auf mehr als 20 % des gesamten Index.
Warum das so ist
Der MSCI World gewichtet seine Positionen nach Marktkapitalisierung. Das bedeutet: Je größer ein Unternehmen und je höher seine Börsenbewertung, desto stärker ist es im Index vertreten. Weil die US-Technologiekonzerne in den vergangenen Jahren enorm gewachsen sind, dominieren sie den Index heute stärker als noch vor einigen Jahren. Das führt dazu, dass neues Geld, das in den Index fließt, automatisch überproportional in die größten Unternehmen gelenkt wird – ganz ohne aktive Entscheidung der Anleger.
Ein häufiges Missverständnis ist, dass dieses Geld direkt an die Unternehmen fließt. Das stimmt so nicht: ETF-Käufe an der Börse sind zunächst Sekundärmarktgeschäfte zwischen Anlegern. Der Zusammenhang ist aber trotzdem real. Wenn die Nachfrage nach einem ETF stark steigt, schaffen autorisierte Teilnehmer neue ETF-Anteile und kaufen dafür die zugrunde liegenden Aktien am Markt. Das kann zusätzlichen Kaufdruck erzeugen und Bewertungen stützen. Höhere Bewertungen nützen den Unternehmen durchaus – etwa bei Kapitalerhöhungen, aktienbasierten Übernahmen und der Vergütung von Führungskräften über Aktienprogramme. Der einzelne Sparplan bewegt den Kurs von Apple nicht messbar, aber die kollektive Nachfrage von Millionen Anlegern, die in dieselben Indizes investieren, bleibt nicht folgenlos.
Mögliche Alternativen
Die schlechte Nachricht zuerst: Es gibt keine perfekte Lösung. Jede Alternative hat gewisse Einschränkungen, aber sie bieten mehr Kontrolle darüber, wo dein Kapital landet. Manche Alternativen reduzieren vor allem den US-Anteil, andere das Gewicht von Big Tech, wieder andere filtern zusätzlich problematische Branchen nach ethischen Kriterien aus. Alles auf einmal bekommst du in der Praxis nur selten:
Stoxx Europe 600: Dieser Index enthält 600 europäische Unternehmen aus 17 Ländern. Ein US-Tech-Übergewicht gibt es hier nicht. Dafür verschieben sich die Schwerpunkte: Stärker vertreten sind etwa Finanzwerte, Industrie, Pharma, Energiekonzerne oder auch Rüstungsunternehmen, was je nach persönlichem Standpunkt ebenfalls kritisch gesehen werden kann. MSCI World ex USA: Der Name sagt es. Alle entwickelten Märkte außer den USA. Japan, UK, Frankreich, Deutschland, Kanada – breit gestreut, aber eben ohne den amerikanischen Teil. Wer die US-Dominanz reduzieren, aber trotzdem global investieren möchte, ist hier besser aufgestellt als mit dem klassischen MSCI World. FTSE All-World ex USA: Ähnlich wie der MSCI World ex USA, deckt aber auch Schwellenländer ab. Breiter, aber mit entsprechend mehr politischem und wirtschaftlichem Risiko.Wer noch einen Schritt weiter gehen möchte, kann sich SRI-ETFs ansehen. SRI steht für sozial verantwortliches Investieren. Solche ETFs arbeiten je nach Indexregelwerk mit Ausschlüssen, Kontroversenfiltern und ESG-Rankings. Viele Produkte schließen beispielsweise Rüstung, fossile Brennstoffe, Tabak oder kontroverse Geschäftsfelder aus. Welche Branchen oder Unternehmen konkret herausfallen, hängt aber stark vom jeweiligen Regelwerk ab.
Das Problem: Einen SRI-ETF, der gleichzeitig auf US-Werte verzichtet oder sich rein auf Europa beschränkt, gibt es nur in Ansätzen. Der Markt bietet zwar zahlreiche SRI-Varianten klassischer Weltindizes, diese enthalten aber in der Regel weiterhin US-Unternehmen und damit oft auch große Technologiekonzerne. Wer also sowohl auf Big Tech als auch auf ethisch problematische Branchen verzichten möchte, hat derzeit nur wenige, aber immerhin konkrete Optionen.
Ein konkreter Ansatz ist der SPDR STOXX Europe 600 SRI UCITS ETF (ISIN: IE00BK5H8015). Er baut auf dem STOXX Europe 600 auf, wendet aber zusätzliche Ausschluss-, Kontroversen- und ESG-Filter an. Aktuell umfasst der Fonds rund 200 Positionen statt der 600 Titel des Ausgangsindex – eine spürbare Konzentration, die man kennen sollte.
Wer mehr Fondsgröße als Sicherheitspuffer möchte, kann alternativ zum iShares MSCI Europe SRI UCITS ETF (ISIN: IE00B52VJ196) greifen. Er ist mit knapp 3 Mrd. € Fondsvolumen deutlich etablierter und kostet mit 0,20 % TER etwas mehr. Basis ist hier der MSCI Europe statt dem STOXX 600, was einen leicht anderen Zuschnitt bedeutet, aber an der Grundidee nichts ändert: Europa und kein US-Tech.
Rendite und Diversifikation leiden
Der US-Aktienmarkt hat internationale Aktien in den vergangenen Jahrzehnten klar outperformt. Je nach Datenbasis liegt der Renditevorsprung gegenüber einem MSCI World ex USA langfristig grob bei rund 2,5 bis 3 Prozentpunkten pro Jahr. Das klingt zunächst überschaubar, macht über 20 oder 30 Jahre beim Endvermögen aber einen erheblichen Unterschied.
Dazu kommt ein zweiter, oft unterschätzter Punkt: Wer den US-Markt (Rund 70 % der globalen Marktkapitalisierung) bewusst aus dem Depot verbannt, verzichtet nicht nur potenziell auf Rendite, sondern auch auf Diversifikation. Breite Streuung gilt in der Finanzwissenschaft nicht umsonst als einziger »Free Lunch« – also als seltener Fall, in dem sich Risiko senken lässt, ohne dass dafür zwingend Rendite geopfert werden muss. Wer diesen Vorteil aufgibt, sollte das mit offenen Augen tun.
Klar ist aber auch: Zukünftige Entwicklungen lassen sich nicht vorhersagen. Vielleicht dreht sich das Bild, vielleicht auch nicht. Aber die Kosten dieser Entscheidung sind real – finanziell wie strukturell.
Fazit
Digitale Selbstbestimmung endet nicht bei den Browsereinstellungen. Wer konsequent handeln möchte, sollte auch einen Blick ins Depot werfen – nicht um Geldanlage grundsätzlich infrage zu stellen, sondern um bewusster zu entscheiden, wie das eigene Kapital investiert wird.
Alternativen zum klassischen MSCI World gibt es, und sie sind für viele Anleger durchaus praktikabel. Sie sind kein perfekter Ersatz und nicht ohne Nachteile. Wer US-Konzerne oder Big-Tech-Titel im Depot reduziert, trifft eine bewusste Entscheidung – mit möglichen Einbußen bei Rendite und Diversifikation, aber auch mit dem Ziel, das eigene Geld nicht automatisch in Unternehmen zu lenken, deren Geschäftsmodell man kritisch sieht.
Den digitalen Stecker bei Big Tech zu ziehen, ist ein Anfang. Beim Investieren genauer hinzuschauen, kann der konsequente nächste Schritt sein – sofern man bereit ist, die finanziellen und strukturellen Folgen dieser Entscheidung mitzutragen.
Ich fand in diesem Zusammenhang auch den MSCI World Equal Weighted Index interessant mit USA Anteil unter 50%. Der Artikel bei Stiftung Warentest/ Finanztest zeigt da zu mehreren Strategien interessante Auswertungen und Diagramme zu. https://www.test.de/ETF-Trend-Anlegen-mit-weniger-Trump-und-Musk-6200282-0/


