Ich habe die Instrumente (Gitarre und Klavier), bin seit meiner Kindheit musikalisch begabt und könnte zu 50 % arbeiten und gleichzeitig einen Bachelor-Studiengang absolvieren. Ich habe Musik schon immer geliebt, spiele regelmäßig, arbeite aber zu 100 %, weil ich Geld brauche und für den Ruhestand sparen muss.

Ich bin skeptisch, ob ich meinen Lebensunterhalt als klassischer Gitarrist oder Pianist verdienen kann: KI produziert massenhaft (schlechte) Musik, Piraterie ist weit verbreitet, und wenn ich mich für den Lehrerberuf entscheiden würde, sind die Kinder heutzutage meist faul, und ich müsste bei den Faulen (also den meisten) sowohl Lehrer als auch Elternteil sein.

Gymnasiallehrer möchte ich nicht werden Auf einer Hochschule zu arbeiten wäre nett, aber die Konkurrenz dort muss brutal sein.

Ich weiß, dass ich meinen Job nicht mag und bis zu meiner Rente gerne etwas anderes machen würde, aber ich habe Angst davor, drei Jahre zu verschwenden, weil ich bereits etwas studiert habe, das mir keinen Job eingebracht hat.

Nur zu studieren, weil man etwas wirklich mag, scheint ein aussichtsloses Unterfangen zu sein, aber wenn ich nichts tue, werde ich bis zu meiner Rente unglücklich sein.

  • Pommes_für_dein_Balg@feddit.org
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    2 days ago

    Ich hab ne Zeit lang in einem Veranstaltungshaus gearbeitet, da kriegt man den “Markt” für Musiker direkt mit.
    Es ist abartig. Jeden Tag kamen mindestens 10 Mails rein von Bands und Musikern, die einen Ort zum Auftreten suchen.
    Die blieben ALLE unbeantwortet, dafür war gar keine Kapazität da.

    Und das war jetzt kein großes Konzerthaus, das war ein gemeinnütziger Verein, der für Auftritte nur die Kosten der Band für Anfahrt und Unterkunft übernommen hat, damit die Bands wenigstens nicht draufzahlen müssen, um bei uns zu spielen.
    Und wir hatten keine Probleme, richtig gute Bands bei uns auf die Bühne zu bekommen.

    Es gibt einen riesigen Pool von Musikern, die wirklich was drauf haben, professionell sind, ihr ganzes Equipment selbst mitbringen, und bereit sind, praktisch für lau zu spielen.

    Mein Onkel hat an der Juilliard School in New York studiert, eine der renommiertesten Musikschulen der Welt.
    Er hat jahrelang nur Geld verdienen können, indem er Musikstücke in Handy-Klingeltöne umgewandelt hat. Als der Markt dann eingebrochen ist, hat er angefangen, privat Klavierstunden zu geben. Er ist jetzt über 70 und wohnt in einer WG. Ohne Auto und Urlaubsreisen reicht seine Rente.

  • squirrel@lemmy.blahaj.zone
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    7 days ago

    Falls Du Musik machen möchtest, um Geld zu verdienen, dann ist die Antwort leider klar: Nein, es lohnt sich nicht.

    DIe Künstlersozialkasse (KSK) über die die meisten Künstler’innen und Musiker’innen ihre Sozialversicherung abrechnen, gibt jedes Jahr die harten Zahlen zu den Einnahmen der bei ihr Versicherten heraus. Musiker’innen sind dabei die Berufsgruppe, die im Jahr am wenigsten verdient, und zwar zwischen 14.143 (Frauen) und 19.434 (Männer). Wohl gemerkt: Das sind Durchschnittswerte, dh. Musiker’innen müssen damit rechnen deutlich weniger zu verdienen.

    Während AI natürlich zusätzlichen Druck macht, sind diese Werte nicht erst seit kurzem so schlecht. Es ist bereits seit Jahrzehnten der Normalzustand. Sicherlich gibt es außerordentlich gut verdienende Künstler’innen/Musiker’innen, aber diese sind die Ausnahme und man kann nicht damit rechnen zu ihnen zu gehören.

    Man muss natürlich noch erwähnen, dass die KSK nur die selbstständigen/freischaffenden Musiker’innen versichert und es noch fest angestellte Musiker’innen gibt, etwa in Orchestern oder in Ensembles. Diese Karrieren bahnen sich aber langfristig an, etwa durch Teilnahme an Jugendorchestern oder Förderprogramme. Die meisten dieser Wege schließen sich irgendwann, wenn man älter wird.

    Ich weiß, dass das eine sehr ernüchternde Antwort ist, aber ich wollte hier Deine Frage geradeheraus beantworten und hoffe, dass Du Dir davon und den anderen Antworten ausgehend selber ein Bild wirst machen können.

    Wo es Dich auch immer hinführen mag: Viel Erfolg!

  • bleistift2@sopuli.xyz
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    8 days ago

    Ich glaube nicht, dass ein Musik-Studium irgendwie dabei hilft, mit Musik Geld zu verdienen. Eigentlich glaube ich, dass ein Studium bei keinem Handwerk wirklich hilft.

    Ich bin skeptisch, ob ich meinen Lebensunterhalt als klassischer Gitarrist oder Pianist verdienen kann

    Da bin ich bei dir – allerdings ohne die These irgendwie begründen zu können. Was ich mir aber vorstellen kann, ist ein Beibrot durch die Musik zu verdienen. Du könntest dann die Stunden in deinem Hauptberuf reduzieren, wenn es mit der Musik gut läuft.

    wenn ich mich für den Lehrerberuf entscheiden würde, sind die Kinder heutzutage meist faul

    Da würde mich interessieren, ob du aus Erfahrung sprichst. Ich besuche selbst eine Musikschule und treffe da im Wartezimmer immer auf die Kinder. Die scheinen sich jedes Mal auf den Unterricht zu freuen.

    und ich müsste bei den Faulen (also den meisten) sowohl Lehrer als auch Elternteil sein.

    Auch das bezweifle ich. Aus dem Bauchgefühl heraus wage ich die These, dass die Eltern, die es sich leisten, ihrem Kind musikalische Bildung zukommen zu lassen, auch ansonsten in der Erziehung bemüht sind.

    Wie wäre es denn als Session-Musiker? Ich habe (durch YouTube) erfahren, dass Leute z.B. auf Plattformen wie Fiverr anbieten, für eine fixe Summe Lieder einzuspielen.

    Auch YouTube gibt’s als Möglichkeit. Es gibt zuhauf Cover-Videos. Da Fuß zu fassen, wird sicher nicht leicht. Aber wenn du auch nur moderaten Erfolg hast, wäre das ein einigermaßen passives Einkommen – denke ich.

  • aaaaaaaaargh@feddit.org
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    7 days ago

    Erst dachte ich: klar, es ist nie zu spät, etwas zu studieren, das man liebt. Nachdem mir nun aber deine Intention bekannt ist, rate ich davon dringend ab. Erstens, weil ein Studium der Musik sicherlich keine Jobgarantie ist, zweitens, weil du definitiv die falsche Motivation hast.

    Nein, lass es bleiben, wenn’s dir nur um Geld geht, bilde dich anders weiter.

  • megrania@discuss.tchncs.de
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    7 days ago

    Die meisten (professionellen) Musiker und Künstler, die ich kenne (die nicht Vollzeit im Lehrberuf arbeiten), sind recht breit aufgestellt, was die Tätigkeiten angeht … ein Lehrauftrag an der Uni, ein paar Stunden an der Musikschule oder mit Privatschülern, verschiedene Produktionen, Organisieren von Events. Als Sub (Vertretung) im Musiktheater oder für grössere Unterhaltungsbands spielen. Kannte auch Leute, die jeden Tag das gleiche Musiktheater gespielt haben, aber solche Jobs sind selten.

    Machen machen andere Dinge, die im “Umfeld” der Musik stattfinden, i.e. im Musiksoftware-Bereich (da bin ich letztlich gelandet) oder im Bereich der Instrumenten-Reparatur oder Restaurierung.

    Wieder andere spezialisieren sich auf eine bestimmte Nische, die nicht so häufig anzutreffen ist (i.e. historische Aufführungspraxis, alte Musik, historische Instrumente, usw).

    Allein durch Auftritte seinen Lebensunterhalt bestreiten, ist nur wenigen beschert, leider. Daher, je breiter man aufgestellt ist, desto besser.

    Als Quereinsteiger im fortgeschrittenen Alter, der dazu noch recht häufig anzutreffende Instrumente spielt, wäre meine Einschätzung, das du dir da dein Einkommen “modular” zusammenbauen musst, dir deine Nischen herausarbeiten musst, usw. Inwieweit dir ein Studium dabei hilft, ist schwer einzuschätzen … wenn du eh’ schon auf professionellem Niveau spielst, kann man die Energie vielleicht auch anders einsetzen.

    Letztlich muss man sich auch fragen, was man sich vom Berufsbild “Profi-Musiker” erhofft … will man seine eigenen Ideen umsetzen? Seine eigenen Songs auf Bandcamp verkaufen? In 'ner Hochzeitsband Schlagermukke spielen? An der Oper im Orchestergraben sitzen?

    Wenn man sich kreativ ausleben will, wäre man dann glücklich, wenn man mit Schlagermucke oder Unterricht sein Geld verdient?

    Ich für meinen Teil hab auch oft mit dem Gedanken (oder der Hoffnung) gespielt, aber über die Jahre auch rausgefunden, das es viele Bereiche gibt, in denen ich kaum glücklich wäre.

    Als Profi auf der großen Bühne stehen, heisst heutzutage auch oft, das man an sich eher ein menschlicher Sequencer ist … Klick auf den Ohren, ein starres Arrangement, und im Hintergrund läuft ‘n Laptop, der genau das Gleiche abspielt, damit man, falls die Gitarre mal ausfällt, sofort rüberfaden kann, ohne das das Publikum was merkt. Als eher der Improvisation zugeneigter Musiker find ich die Vorstellung eher grausig … da hab’ ich selbst als Programmierer mehr kreative Freiheit …

  • rumschlumpel@feddit.org
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    7 days ago

    Wenn du jetzt schon ziemlich gut bist in deinen Instrumenten und auch mit Theorie halbwegs vertraut bist, könntest du wahrscheinlich jetzt schon Geld mit Unterricht verdienen. Das was da verlangt wird ist denke ich in der Breite nichts, wofür man ein Studium braucht, zumal ein Studium die pädagogischen Aspekte ohnehin nicht oder kaum beibringt.

    Die grundsätzliche Frage wäre halt, wie man als Musiker Geld verdienen kann, insbesondere in der klassischen Musik. Wer engagiert Pianisten oder Gitarristen (bei Orchestern würde ich jetzt auch annehmen, dass die Chancen eher schlecht stehen)? Gibt es einen großen Markt für Session-Musiker in der Klassik? Ich könnte mir vorstellen, dass man am ehesten noch als Komponist etwas verdient, besonders in der Richtung Soundtracks für Film, Werbung, Theater usw.

    Müsste man einfach mal recherchieren, du weißt wahrscheinlich auch noch eher, was im Klassik-Markt so läuft als ich, der mit diesem Bereich nur selten in Berührung kommt.

  • Majoran@feddit.org
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    7 days ago

    Ich habe Informatik studiert und nach ein paar Jahren in der Industrie als Softwareentwickler gekündigt und in den mitt-30ern nochmal Philosophie studiert. War die beste Entscheidung meines Lebens.

    Wenn deine Motivation also hauptsächlich Geld und Job ist: Nein.

    • schneewiese@feddit.orgOP
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      2 days ago

      Ich habe Informatik studiert und nach ein paar Jahren in der Industrie als Softwareentwickler gekündigt und in den mitt-30ern nochmal Philosophie studiert. War die beste Entscheidung meines Lebens.

      Du bist also deinen Träumen gefolgt.

      Hast du keine Angst davor, arm zu sein? Oder alt zu werden und nicht genug Geld zu haben, um ein erfülltes Leben zu führen, um dir deinen Lebensabend leisten zu können? Denn Träume sind so schön, aber dann ist da noch die Realität.

      Angst ist ein Hauptgrund, warum ich immer noch zögere. Ich war so lange finanziell unsicher.

      Ich sehe das so: Entweder unglücklich und finanziell abgesichert, nicht wirklich viel, aber genug verdienend, oder glücklich, seinen Träumen folgend und arm.

      Deine Gedanken?

      • Majoran@feddit.org
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        19 hours ago

        Naja, es war bei mir irgendwo schon ziemlich kritisch. Ich war einerseits Software-Entwickler, andererseits gleichzeitig dabei auch immer tiefer in den Depressionen und dann auch irgendwann funktionierender Alkoholiker. Gerade im Großkonzern hat das irgendwie immer noch funktioniert, weil ich schon als Kind programmieren gelernt habe und man sich da gut den halben Tag durch die Bürokratiemühlen mogeln kann, auch wenn ich so nicht gerade der Erstkandidat für Beförderungen war. Vor allem im Home-Office konnte ich das auch immer gut vertuschen, während aber meine eigene Gesundheit trotzdem dadurch weiter bergab ging. Mit meinem Wechsel in die Philosophie hat sich das alles radikal geändert, und als ich dort dann auch lernte, wie z.B. Sokrates das Philosophieren auch schon als Therapie oder mentale Medizin bezeichnete, war das für mich fast schon wie eine Epiphanie. In meinem Narrativ sage ich mittlerweile, dass die Philosophie mir das Leben gerettet hat.

        Stimmt schon, dass die finanzielle Absicherung da das größte Thema bleiben wird. Also zuerst glaube ich, dass mein Lebensstandard keine sehr hohen Ansprüche hat. Computer sind zwar immer noch ein Hobby und wollen alle paar Jahre ein Upgrade, für ein Fahrrad gebe ich auch vierstellig aus, aber sonst habe ich nie vom großen Haus und großen Autos geträumt; ich tendiere auch sogar eher, vielleicht sowas in Richtung Generationenhaus vom Lifestyle zu planen, aber das sind bisher nur Blaupausen. Ich glaube auch nicht, dass ich mit der Philosophie arbeitslos bleiben werde, ich habe ja auch noch meinen Informatik-Master und kann mir auch vorstellen, weiter mit Computern zu arbeiten; nur halt lieber vielleicht im Kulturbereich, in Museen, Bibliotheken, mit konkreten Menschenkontakt und nicht in einer Industrie die den ganzen Tag Produkte herstellt, die ich mir selber niemals kaufen würde. Aber zuerst ist das nächste Ziel, eine Dissertation über Philosophie und Digitalität zu schreiben. Paradoxerweise war ich noch nie so produktiv wie in der Zeit, wo ich mich in die Philosophie eingearbeitet habe, auch wenn es keine wirtschaftliche Produktivität war.

        Dann muss ich als letzten Grund erwähnen - und da gibt es auch Leute, die das ganz anders sehen, es ist vielleicht etwas ein Glaubenssystems -, aber ich glaube nicht, dass wir zu den Generationen gehören, die sich jetzt etwas ansparen können und dann einen garantierten gesicherten Lebensabend haben. Stichworte Rentensystem, Inflation, Weltlage, etc. Sicher, wer da all-in geht, wird sich mit Immobilien, ETFs, Gold oder was auch immer so gut wie möglich absichern können, aber für solche Lebensplanungen bin ich ehrlich gesagt auch einfach zu verballert. Ich bin auch mit Asperger-Syndrom diagnostiziert, ich bin auch schonmal in quasi idiotischer Naivität auf Finanzbetrüger reingefallen; theoretische Konzepte von Computer bis Philosophie geben meinem Kopf Freude und Ruhe, aber sobald ich zwei Aktienkurse miteinander vergleichen muss, werde ich sofort wieder depressiv.

        Vielleicht stelle ich mir das ein bisschen zu rosarot vor, aber ich würde lieber so Habermas-Style noch mit 90 an dem arbeiten, was mir Freude bereitet als bis 67 an etwas, wofür ich einfach nicht die psychische Resilienz habe. Es gibt ja auch in jeder Nachbarschaft diesen Stereotypen der Person, die nach 40 Jahren Arbeit in Rente gegangen ist und dann nach 4 Jahren vollkommen abgebaut hat, und das halte ich auch immer für ein mögliches Szenario.

        Das war jetzt ein relativ langer post, aber alles in allem habe ich herausgefunden, dass meine damalige finanziell sichere Schiene zuviel andere Probleme hatte, um summa summarum von einem guten Leben reden zu können. Und mir ist auch voll bewusst, dass ich in anderen Aspekten zur Zeit auf einen eher risikoreicheren Pfad bin. Aber ich glaube, ich sehe mich zur Zeit so ein bisschen als das Klischee des “crazy artist”, der sein einziges Leben dafür nutzt, etwas zu versuchen und anders zu machen als die 08/15-Lebensplanung. Und solange ich gut mit den Karten spiele, die mir auf die Hand kommen, wird sich immer eine kreative Lösung finden. Man muss halt auch nur wollen, dass man immer ein Problemlöser sein wird anstatt sich auf den Wohnzimmersessel auszuruhen.