Wenn jemand “nur” für persönliche Vorteile in die NSDAP eingetreten ist, aber nach dem Krieg nicht perfomativ Reue zeigt…ist das irgendwie inkonsistent. Die performative Reue war ja ggf. auch für persönliche Vorteile in der jungen Bundesrepublik gut.
Das wäre eher ein Indiz für Überzeugung. Das “habe ich nur für persönliche Vorteile getan” ist ja dann schon die Schutzbehauptung.
Immerhin konnten sie alle sagen “wir wussten ka nicht, wo das alles hinführt”. Die Entschuldigung haben unsere Faschos von heute dann immerhin nicht mehr.
“Ich bin stolz auf Opa, denn er war sein Leben lang überzeugter Nazi”?
Weird.
Und dieses “andere Großmächte haben auch Dreck am Stecken”. Wenn das heute ein unbeteiligter Historiker feststellt, und das einordnet, ist ja eine Sache. Wenn jemand das tut, um seine eigene Beteiligung an der Mordmaschine unbedeutend erscheinen zu lassen - mindestens mal ein schlechter Charakter, wahrscheinlich Schlimmeres. Hat auch was von “jaja, das mit den Juden, schlimmschlimm - aber die Autobahnen 😍”.
Ich verstehe halt die implizite Annahme nicht, dass Reue irgendwie geheuchelt und gelogen sein muss.
Wäre doch besser, wenn man “Ich war in der NSDAP und SA. Das hat mich angesprochen. Aber es war falsch und ich bereue es” sagt, oder nicht? Wenn man weiß, dass diese Ideologie zu Horror, Mord und einem Kontinent in Schutt und Asche geführt hat, könnte man ja mindestens feststellen, dass das vielleicht doof war, oder nicht?
Da tauchen wir natürlich schnell in hochphilosophische Gegenden ab. Aber das würde ja irgendwie bedeuten, dass man nicht an seinen Fehlern wachsen kann.
Ich habe auch viele dumme Entscheidungen getroffen. Und anerkenne auch, dass ich mit den gleichen Informationen in der gleichen Situation vmtl. wieder so handeln würde. Ich habe vor Entscheidungen ja meine Optionen gewogen und bin jeweils zu dem Schluss gekommen, dass das die bestmögliche Handlungsoption sei.
Aber entscheidend ist ja, ob ich mit den mir heute vorliegenden Informationen in der gleichen Situation so handeln würde.
Dieser Aspekt mach bspw. auch eine heutige AfD Mitgliedschaft für mich gleich zehnmal schlimmer als eine damalige NSDAP Mitgliedschaft.
Ich glaube auch, dass für viele die Scharmbekundung performativ ist. Sie bleiben immer im Mainstream, das Fähnchen im Wind. Dennoch wäre für mich lobenswerter, wenn Opa tatsächlich eingesteht, dass er Teil der Partei war, die für den Holocaust zu verantworten ist, seine eigene Beteiligung anerkennt und sich dafür schämt. Das apologetische “Jede/r Staat / Großmacht / Whatever hat Dreck am Stecken” zeigt für mich wenig Einsicht.
Abgesehen davon, drückt der Schuh aber noch an anderer Stelle: Opas Position ist deckungsgleich mit der eines Nazis. Die entschuldigen sich gewiss auch nicht für die Verbrechen. Da du darüber kein Wort verlierst, ist für mich unverständlich, wo da der Stolz erwachsen soll.
Ich bin mir nicht sicher, ob ich dich richtig verstehe aber du bist stolz darauf, dass er sich nicht dafür schämte?
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Hm.
Wenn jemand “nur” für persönliche Vorteile in die NSDAP eingetreten ist, aber nach dem Krieg nicht perfomativ Reue zeigt…ist das irgendwie inkonsistent. Die performative Reue war ja ggf. auch für persönliche Vorteile in der jungen Bundesrepublik gut.
Das wäre eher ein Indiz für Überzeugung. Das “habe ich nur für persönliche Vorteile getan” ist ja dann schon die Schutzbehauptung.
Immerhin konnten sie alle sagen “wir wussten ka nicht, wo das alles hinführt”. Die Entschuldigung haben unsere Faschos von heute dann immerhin nicht mehr.
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Hm.
Dann ist der Take
“Ich bin stolz auf Opa, denn er war sein Leben lang überzeugter Nazi”?
Weird.
Und dieses “andere Großmächte haben auch Dreck am Stecken”. Wenn das heute ein unbeteiligter Historiker feststellt, und das einordnet, ist ja eine Sache. Wenn jemand das tut, um seine eigene Beteiligung an der Mordmaschine unbedeutend erscheinen zu lassen - mindestens mal ein schlechter Charakter, wahrscheinlich Schlimmeres. Hat auch was von “jaja, das mit den Juden, schlimmschlimm - aber die Autobahnen 😍”.
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Ich verstehe halt die implizite Annahme nicht, dass Reue irgendwie geheuchelt und gelogen sein muss.
Wäre doch besser, wenn man “Ich war in der NSDAP und SA. Das hat mich angesprochen. Aber es war falsch und ich bereue es” sagt, oder nicht? Wenn man weiß, dass diese Ideologie zu Horror, Mord und einem Kontinent in Schutt und Asche geführt hat, könnte man ja mindestens feststellen, dass das vielleicht doof war, oder nicht?
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Da tauchen wir natürlich schnell in hochphilosophische Gegenden ab. Aber das würde ja irgendwie bedeuten, dass man nicht an seinen Fehlern wachsen kann.
Ich habe auch viele dumme Entscheidungen getroffen. Und anerkenne auch, dass ich mit den gleichen Informationen in der gleichen Situation vmtl. wieder so handeln würde. Ich habe vor Entscheidungen ja meine Optionen gewogen und bin jeweils zu dem Schluss gekommen, dass das die bestmögliche Handlungsoption sei.
Aber entscheidend ist ja, ob ich mit den mir heute vorliegenden Informationen in der gleichen Situation so handeln würde.
Dieser Aspekt mach bspw. auch eine heutige AfD Mitgliedschaft für mich gleich zehnmal schlimmer als eine damalige NSDAP Mitgliedschaft.
Dann verstehe ich den Stolz nicht. Dein Opa war ein Verbrecher.
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Mir wären beide zuwider.
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Mein Großonkel hat zeitlebens damit angegeben, in Norwegen Widerständler hingerichtet zu haben. Ich fühle deine Aussage mal so gar nicht.
Ich glaube auch, dass für viele die Scharmbekundung performativ ist. Sie bleiben immer im Mainstream, das Fähnchen im Wind. Dennoch wäre für mich lobenswerter, wenn Opa tatsächlich eingesteht, dass er Teil der Partei war, die für den Holocaust zu verantworten ist, seine eigene Beteiligung anerkennt und sich dafür schämt. Das apologetische “Jede/r Staat / Großmacht / Whatever hat Dreck am Stecken” zeigt für mich wenig Einsicht.
Abgesehen davon, drückt der Schuh aber noch an anderer Stelle: Opas Position ist deckungsgleich mit der eines Nazis. Die entschuldigen sich gewiss auch nicht für die Verbrechen. Da du darüber kein Wort verlierst, ist für mich unverständlich, wo da der Stolz erwachsen soll.
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