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    4 days ago

    Meine scheiß Kaffemaschine hat drei Knöpfe, aber die europäische Wirtschaft hat genau einen Drehregler.

    Jain… nicht die europäische Wirtschaft hat genau einen Drehregler, sondern die EZB. Und selbst die hat eigentlich noch ein paar mehr, der Leitzins-Regler ist nur mit Abstand der fetteste.

    Die EZB steuert ja nicht “die Wirtschaft”, sondern nur die Geldpolitik, also wie “teuer” Geld ist. Der andere, sehr große Teil der Wirtschaftslenkung kommt durch die Fiskalpolitik. Also Steuern, Subventionen, Investitionen, … Das macht zum Glück nicht irgendein Rat der EZB, sondern die jeweiligen demokratisch legitimierten Parlamente der Mitgliedstaaten. Da hast du dann unzählige Regler, Hebel, Knöpfe, usw.

    Der Leitzinsregler ist ein relativ stumpfes Instrument, aber die EZB kann ihn gut nutzen, um zu verhindern dass unsere wirtschaftliche Kaffeemaschine überhitzt. Dass am Ende auch guter Kaffee rauskommt, regelt man aber mit den anderen Knöpfen.

    • kossa@feddit.org
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      4 days ago

      Theoretisch ja. Praktisch leidet die Wirtschaft halt darunter, dass bei Inflation alle nur zur EZB schauen, und die halt nur mit ihrem Leitzins rummachen kann.

      Wir haben ja die letzten Inflationen durch Angebotsschocks getriggert (bekommen), Krieg in Ukraine, Krieg in Iran, diesdas.

      Da müsste man halt sinnvolle Fiskalpolitik betreiben und die EZB_müsste_ die Staaten dazu enablen. Aber kann sie nicht, weil sie nur den Leitzins als Instrument hat. Und die Inflationen, die ja alles abwürgen, hatten ja nichts mit der vorhandenen oder erwarteten Geldmenge zu tun, daher ist der Leitzinshebel noch doppelt und dreifach dumm: er macht halt nichts, bzw. ist sogar noch schädlich. Um dem Abkacken der Wirtschaft zu begegnen, bräuchte es ja gerade mehr günstiges Geld, damit wir Binnennachfrage ankurbeln und Investitionen in Energieunabhängigkeit tätigen könnten, aber (drohende) Inflation heißt ja irgendwie automatisch “Leitzins rauf”, beim tollen Orakel von Frankfurt. Nur Hammer als Werkzeug und so.

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        4 days ago

        Um dem Abkacken der Wirtschaft zu begegnen, bräuchte es ja gerade mehr günstiges Geld, damit wir Binnennachfrage ankurbeln und Investitionen in Energieunabhängigkeit tätigen könnten

        Ich bin da grundsätzlich vollkommen bei dir: Angebotsschocks mit dem Nachfrageregler Leitzins zu begegnen, tut weh, weil gefühlt auf etwas eingedroschen wird, das eh schon am Boden liegt.

        Nur wenn man stattdessen, wie du sagst, jetzt mehr günstiges Geld zur Verfügung stellt, steigt zwar einerseits die Nachfrage nach Geld, der Mangel durch den Angebotsschock ist aber trotzdem da. Damit gehen die Preise hoch und man gießt Benzin ins Inflationsfeuer, inkl. der Gefahr, dass diese sich jenseits des Angebotsschocks verselbstständigt.

        Die EZB drosselt also ganz bewusst die Wirtschaft ab, damit letztendlich die Preise stabil bleiben.

        Da müsste man halt sinnvolle Fiskalpolitik betreiben und die EZB_müsste_ die Staaten dazu enablen.

        Das darf die EZB meiner Kenntnis nach gar nicht (Verbot der monetären Staatsfinanzierung), sie arbeitet unabhängig, damit die Politik sie nicht als ‘unendlichen Geldautomaten’ missbrauchen kann. Sie kümmert sich nur darum, durch ihre große Stellschraube das Preisniveau stabil zu halten, den Rest muss die Politik machen.

        • kossa@feddit.org
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          4 days ago

          steigt zwar einerseits die Nachfrage nach Geld, der Mangel durch den Angebotsschock ist aber trotzdem da

          Das ist aber “nicht schlimm”, da die EU noch einen krassen Außenhandelsüberschuss hat. D.h. wir können mit einer expansiven Geldpolitik dem Mangel begegnen. Natürlich dann auf Kosten anderer Wirtschaftsräume, in denen das den Mangel verstärkt.

          Wenn man dann gezielt aber das “gedruckte Geld” einsetzt, um mehr Energieunabhängigkeit herzustellen, hilft das dann down the line nicht nur uns, sondern auch den weniger starken Wirtschaftsräumen.

          Dafür müsste man “nur” dafür sorgen, dass das lose Geld einmal in die richtigen Zweige fließt, um die Resilienz des Wirtschaftsraums zu erhöhen, andererseits, dass man damit direkt die Verbraucher stützt, damit die ihr Leben weiterführen können.

          Aber all das kann die EZB halt nicht, die kann nur Leitzins.

          Das darf die EZB meiner Kenntnis nach gar nicht

          Das stimmt, aber das ist ja ein politisches Konstrukt, wie die dumme Schuldenbremse auch. Und das wird ja ggf. auch schon gelockert, siehe die Anleihenkaufprogramme während der Subprime-Krise oder während Corona. Da ging es ja auch plötzlich. Es wäre mal Zeit anzuerkennen, dass in der labilen Welt- und Wirtschaftslage eine Änderung des Mechanismus generell angebracht wäre. Die Banken zu stützen ging mit Geld drucken, paar Jahre später Griechenland retten nicht mehr, die konnten wir dann knechten. Statt dass man halt andere Kriterien festlegt, wann eine Krise ausreichend groß ist, um die Schleusen wieder zu öffnen ¯\_(ツ)_/¯

          • Quittenbrot@feddit.org
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            4 days ago

            D.h. wir können mit einer expansiven Geldpolitik dem Mangel begegnen.

            Hmm, da bin ich mir nicht so sicher. Fossile Energie wird primär in Dollar gehandelt. Wenn wir also Geld drucken, würde das zur Abwertung des Euros gegenüber dem Dollar führen, wir zahlen also nicht nur mehr durch den Angebotsschock, sondern noch mehr, weil unsere Währung schwächer wird. Das Ergebnis wäre ‘Importierte Inflation’.

            Dafür müsste man “nur” dafür sorgen, dass das lose Geld einmal in die richtigen Zweige fließt, um die Resilienz des Wirtschaftsraums zu erhöhen, andererseits, dass man damit direkt die Verbraucher stützt, damit die ihr Leben weiterführen können.

            Ja, absolut! Aber das ist eine Aufgabe, die ich definitiv in den Händen demokratisch gewählter Politiker und nicht in den Händen ungewählter technokratischer Notenbanker sehen möchte. Das wären Parallelstrukturen, die die Demokratie untergraben würden. Wir haben ganz bewusst eine unpolitische Notenbank, die ausschließlich ihren scharf definierten Aufgabenzweck erfüllt und kein politisches “Ersatzprogramm” ist.

            Und das wird ja ggf. auch schon gelockert, siehe die Anleihenkaufprogramme während der Subprime-Krise oder während Corona. Da ging es ja auch plötzlich.

            War dort nicht eher drohende Deflation das Thema? Dann ist eine expansive Geldpolitik durch das Mandat gedeckt.

            paar Jahre später Griechenland retten nicht mehr, die konnten wir dann knechten.

            Draghis legendäres ‘whatever it takes!’ würde ich zwar als Ausdruck der EZB sehen, ganz massiv zu retten, aber mir hat in der Griechenland-Krise die EZB definitiv zu politisch agiert. Das wäre für mich aber weniger Grund, das jetzt wieder/öfter zu machen, sondern im Gegenteil möglichst nicht wieder.

            Aber klar, wie du sagst, die Regeln sind politische Konstrukte, aber da kommen wir wieder an den Punkt, dass es folglich die Politik ist, die handeln muss.

            • kossa@feddit.org
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              4 days ago

              Du, mir wäre ja auch recht, wenn die EZB tut, was sie eben tut, aber der Politik bspw. mal sagt “jo, whr erhöhen jetzt den Zins, das ist schlecht für eure Wirtschaft, also macht mal Schulden und gleicht das aus. Wenn das mit den Schulden zu doof wird, könnt ihr uns ja wieder anweisen eure Schulden zu kaufen, um euch solvent zu halten.”

              Oder dass das halt irgendwer mal sagt, muss ja nicht die EZB sein.