In letzter Zeit gibt es ja diesen Drang von Politikern, Altersbeschränkungen für “Social Media” einzuführen, was dann bedeuten würde, daß man für Social Media-Plattformen seine Identität nachweisen müsste - eine hervorragende Gelegenheit für diese Plattformen, noch mehr Benutzerdaten zu sammeln.
Das Fediverse ist glücklicherweise nicht darauf ausgerichtet, solche Altersnachweise einzuziehen. Aber dennoch macht das die Situation für die Betreiber von Instanzen schwierig, da sie sich dann potentiell strafbar machen.
Jetzt würde mich interessieren: Gibt es in den deutschsprachigen Ländern irgendwelche juristisch klaren Definitionen von “Social Media”, mit denen man klar identifizieren könnte, ob eine Fediverse-Anwendung als solche zählt oder nicht?
Z. B. betreibe ich einen WordPress-Blog mit dem ActivityPub-Plugin. Zählt das schon als “Social Media”?
Wer hier kennt sich mit dieser Thematik aus?
Das ist ja gerade einer dieser merkwürdigen Punkte in der Debatte. Es gibt keine vernünftige Definition von Social Media, und daher reden die Leute aktiv daran aneinander vorbei. Es ist, glaube ich, sogar der Plan der Leute mit diesen Vorschlägen, dass sie hier bewusst unscharf sind. Da wird dann groß und breit über Kinder geredet, die TikTok süchtig sind, und eben nicht darum, dass es darum geht, eine Identifikationspflicht für jedes WordPress-Blog zu erzwingen, alle kleinen lokalen Foren zu töten und den Konzernen noch mehr Macht zu geben.
Denn seien wir mal ehrlich. Meta und TikTok können das integrieren. Die Werbeindustrie freut sich darüber, dass sie jetzt die User noch besser profilen kann. Aber jeder kleine Webseitenbetreiber oder auch Alternativen wie das Fediverse stehen hier vor massiven Problemen. Dann muss man eben plötzlich nicht mehr nur den Server betreiben, sondern auch eine komplette ID Lösung integrieren. Und das ist gar nicht so witzig.
Ich bin für “elektronische Klowand”.
Von “Social Media” m.W. nicht. Was es gibt, ist das hier aus dem Gesetz über digitale Dienste der Europäischen Union:
„Online-Plattform“ einen Hostingdienst, der im Auftrag eines Nutzers Informationen speichert und öffentlich verbreitet, sofern es sich bei dieser Tätigkeit nicht nur um eine unbedeutende und reine Nebenfunktion eines anderen Dienstes oder um eine unbedeutende Funktion des Hauptdienstes handelt, die aus objektiven und technischen Gründen nicht ohne diesen anderen Dienst genutzt werden kann, und sofern die Integration der Funktion der Nebenfunktion oder der unbedeutenden Funktion in den anderen Dienst nicht dazu dient, die Anwendbarkeit dieser Verordnung zu umgehen;
und “Hostingdienst” ist so definiert:
ein „Hosting“-Dienst, der darin besteht, von einem Nutzer bereitgestellte Informationen in dessen Auftrag zu speichern;
(beides aus Artikel 3 der Verordnung (EU) 2022/2065 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 19. Oktober 2022 über einen Binnenmarkt für digitale Dienste und zur Änderung der Richtlinie 2000/31/EG (Gesetz über digitale Dienste))
Also ja, jede Fediverse-Anwendung und jeder WordPress-Blog mit Kommentarfunktion fällt darunter.
Das ist ja das Idiotische an all dem! Ich selbst hab in den 2000ern (da war ich ein Kind, noch nicht einmal ein Jugendlicher) angefangen, verschiedene Websites (z.B. Foren, Wikis) zu entdecken, auf denen es für die Öffentlichkeit möglich war, Informationen zu veröffentlichen. Hat mir sofort riesigen Spaß gemacht, bei sowas mitzumachen; meine Erfahrungen damit prägen mich bis heute, und zwar auf positive Weise, ich wäre heute nicht die Person, die ich bin, wenn ich das nicht getan hätte!
Dann irgendwann in den darauffolgenden Jahren hat der öffentliche Diskurs darauf bestanden, dass solche Websites ab sofort “Social Media” heißen. Den Begriff hab ich erst mehrere Jahre gehört, nachdem ich solche Websites für mich entdeckt hatte.
Ich will jetzt nicht schönreden, dass die großen “Social Media”-Seiten heute aus verschiedenen Gründen ein ziemlicher Mist sind, der mit dem, womit ich aufgewachsen bin, nicht mehr viel zu tun hat. Nur: durch mehr staatliche Regulierung macht man es nur unmöglich, dass wir uns davon wieder wegbewegen. Und weil der Begriff eben nicht von Foren und Wikis abgrenzbar definiert ist, ist es ziemlich genau unmöglich, Kinder von “Social Media” fernzuhalten, ohne ihnen zu verunmöglichen, auch deutlich inspirierendere Dinge im Internet zu machen.
Wobei ein Blog, der eine Kommentarfunktion bietet auch unter die Ausnahme fallen könnte, dass der “Hauptdienst” das bereitstellen der Blogartikel ist und die Kommentarfunktion eine “unbedeutende” Funktion ist.
Aber wie das halt immer so ist, müssen das erstmal irgendwelche Gerichte ausklamüsern, und welcher kleine Blogger hat Bock darauf, das durchzufechten? Da schaltet man lieber den Blog ab.
Kommentarfunktion abschalten reicht schon. Dann muss man auch nichts moderieren.
Altersnachweis != Identitätsnachweis
Die EUDI Wallet ermöglicht auch eine reine Altersverifikation, ohne die Identität offenlegen zu müssen.
Achtung, das ist eine Falle. Die EUDI Wallet funktioniert nicht für Menschen, die nicht in der EU wohnen. Wenn du deine Altersverifikation darauf aufbaust, schließt du damit den Rest der Welt einfach mal komplett aus. Klingt jetzt erstmal nach einer guten Lösung, ist aber auch ein kompletter Autounfall für das Internet.




