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Im Interview erklärt der Professor für Sozialstrukturanalyse an der Universität Basel, warum die Abstiegsängste der Menschen längst ein gesamtdeutsches Phänomen sind und weshalb die Adaption rechter Rhetorik durch etablierte Parteien brandgefährlich ist. Eine Analyse über fehlende gesellschaftliche Erzählungen, die wachsende „Zerstörungslust“ an den Wahlurnen – und die historische Illusion der Union, rechte Kräfte einhegen oder spalten zu können.

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Die Angst vor Sozialschmarotzern scheint nicht rational zu sein. Statistiken zeigen, dass Migranten oft eine sehr hohe Erwerbsquote aufweisen. Trifft hier eine diffuse Angst schlicht auf mangelnde Rationalität?

Es gibt durchaus eine Rationalität in dieser Wahrnehmung, sie betrifft aber nicht die Migranten. Die Menschen nehmen wahr, dass die Weltwirtschaft durch massive Umbrüche deutlich volatiler geworden ist. Viele Jobs in der Industrie sind unsicher geworden. Daran sind aber nicht die Migranten im Land schuld, sondern die globalen Umbrüche – und die deutschen Manager, die sich recht überheblich gegenüber der internationalen Konkurrenz gezeigt haben.

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Wie bewerten Sie den Umgang der anderen demokratischen Parteien und der Bundesregierung mit diesem Befund? Wurde das Problem erkannt?

Aus meiner Sicht halluzinieren die etablierten Parteien über die Problematik. Sie glauben, wenn sie die Migration ebenfalls hart bekämpfen oder rhetorisch attackieren, würden sie der AfD das Wasser abgraben. Politikwissenschaftliche Untersuchungen zeigen aber sehr robust: Damit schwächt man die AfD nicht, man stärkt ihre Position. Man legitimiert sie und macht es den Menschen einfacher, sich zu ihr zu bekennen, nach dem Motto: „Seht her, das sagt die CDU doch jetzt auch.“

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Kanzler Merz hat sich trotzdem zum Ziel gesetzt, die AfD-Ergebnisse zu halbieren. Zu unrealistisch?

Es gibt in Teilen der Union immer noch die Illusion, man könne die AfD spalten – den bürgerlichen vom rechtsextremen Teil trennen. Diesen Leuten möchte man raten, noch einmal die Geschichtsbücher über die Machtergreifung der Nationalsozialisten zu studieren. Damals gab es im Bürgertum exakt dieselbe Illusion, man könne diese Kräfte einhegen oder entzaubern.

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  • FooBarrington@lemmy.world
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    4 hours ago

    Mir fällt ein möglicher Einwand dazu ein, der aber vollkommen falsch sein könnte (bin für jede Erfahrung/Korrektur/Quelle dankbar!): der Durchschnitt liegt anfangs wahrscheinlich etwas über dem gleichaltrigen Gesamtdurchchnitt, weil die Flucht selbst oft (vermute ich?) körperliche Spuren hinterlässt & Geflüchtete deshalb initial etwas mehr Versorgung brauchen. Je nach gesundheitlicher Versorgung vor der Flucht (besonders in Konfliktgebieten, oder wegen Knappheiten bei Medikamenten) könnten auch Kosten anfallen.

    Das ist es natürlich trotzdem wert!

    • poVoq@slrpnk.net
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      4 hours ago

      Ja vermutlich ein wenig, aber 144€ pro Monat ist nun auch nicht grade wenig. Das was wirklich den hohen Durchschnitt verursacht sind Hüftops usw. die schnell mal mehrere tausend Euro kosten.

      • FooBarrington@lemmy.world
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        1 hour ago

        Glaub ich dir gern. Eigentlich müsste man bei solchen Themen möglichst zeitnah mit “Meme-Infografiken” in den sozialen Netzwerken reagieren, die die jeweilige Missrepräsentation möglichst simpel klarstellen. Ich glaube, anders kommt man gegen die Flut an CDU-Bullshit nicht an…