“wir können uns diese faulen sozialschmarotzer nicht länger leisten, die es sich in der sozialen hängematte gemütlich machen und von der arbeit anderer leben. wir sollten uns nehmen, was rechtmäßig uns gehört: höhere vermögenssteuer, soziale umverteilung, bedingungsloses grundeinkommen.”


Es ist nicht immer ganz einfach, die Gesellschaftsanalyse von Marx 1:1 auf die jetzigen Zustände zu übertragen, nicht weil ich Marx für Quatsch halte, sondern aber weil seit ihm 150 Jahre vergangen sind und er selber von Veränderungen im Prozess geredet hat. So ungleich der Kapitalismu heute ist, Marx beschreibt ja in seinen Werken auch anekdotisch Situationen, die heute völlig undenkbar sind. Ich erinnere mich da in die Passage wo er erzählte, wie ein Kind an der Maschine arbeiten muss und der Vater dabei das Kind füttert, weil es dafür keine Arbeitspause gibt.
Ich bin grad zu faul, es nochmal nachzuschlagen, aber in deiner zitierten Stelle geht Marx ja auch weiter und spricht davon, dass die petite bourgeoise gerade aus diesem Grund auch ihr eigener Untergang sein wird, weil sie von den Mitteln her eigentlich auf der Seite des Proletariats sein sollten, durch ihre bornierte Einstellung aber widerstandslos von den Kapitalisten aufgefressen werden.
Heute kenne ich viel mehr Leute, die bewusst weniger haben wollen, als sie könnten, mich eingeschlossen. Ich bin (war) selber studierter Ingenieur und lebe ziemlich minimalistisch, finde Autos doof, wenn es auch ohne geht, Hausbau ist mir eh zu kompliziert und die generelle Konsumkritik ist mehr oder weniger verinnerlicht. Im Vergleich hat mein Vater, der sein leben Lang ungelernter Buchhalter war, ein Haus, was sich heute niemand mehr leisten würde und alle 3 Jahre einen neuen SUV.
Natürlich sind mir gewisse Luxuriositäten auch wichtig - die beziehen sich aber mehr auf die Infrastruktur. Ich hätte gerne eine gute Gesundheitsversorgung, schöne Fahrradwege, gerne auch mal ein gutes aber bezahlbares Restaurant und kulturelle Angebote. Was soll ich mit mehr Geld, wenn ich es für nichts ausgeben kann, außer für Konsumgüter, die mich größtenteils nicht interessieren? Sicher gibts auch heute noch genug Yuppies, denen man die Seele wegnimmt, wenn sie ihre goldene Armbanduhr nicht mehr haben, aber es haben sich halt auch schon andere Bewegungen gebildet, die den Begriff Wohlstand auch aus anderen Perspektiven betrachten.
also ich stimme deinem kommentar im allgemeinen zu; ich möchte nur anmerken, solche bewegungen, “die den begriff wohlstand auch aus anderen perspektiven betrachten”, hat es m.m.n. wahrscheinlich immer schon gegeben. also wenn du ins mittelalter blickst z.b. dann gab es auch mönche die halt freiwillig in armut gelebt haben, und konsumkritik ist sicher kein modernes phänomen sondern einfach eine lebenseinstellung gewisser leute, die halt zeitlos ist.
Das Verschwinden der Mittelschicht, genau das passiert gerade.
Kapital kaufen, also Produktivvermögen, kontrollieren, damit etwas besseres passiert als was die Oberschicht plant.
Wenn die Elite die Parteien nicht mehr kauft, sollte das möglich sein.
Dann spiel ich am Ende ja trotzdem deren Spiel mit. Ich würde gerne mit meinem Leben was anderes anfangen, als numbers go up auf Aktienwerte zu schauen. Da müssen meines Erachtens andere Lösungen her, als den guten Kapitalisten mit ganz viel Moral zu spielen.
Das denke ich auch. Genossenschaften finanzieren halte ich für die direkteste Möglichkeit, etwas zu verändern. Wenn die Zahlen nicht immer steigen müssen, kann man auch strategisch Genossenschaften finanzieren, die wichtige Projekte umsetzen.