“wir können uns diese faulen sozialschmarotzer nicht länger leisten, die es sich in der sozialen hängematte gemütlich machen und von der arbeit anderer leben. wir sollten uns nehmen, was rechtmäßig uns gehört: höhere vermögenssteuer, soziale umverteilung, bedingungsloses grundeinkommen.”


Ertappt. Hier liegt es aber nicht an mir. Warum sind die Deutschen gegen eine Vermögenssteuer? In einer Demokratie sollte eine progressive Vermögenssteuer ein Selbstläufer sein.
Klar denken viele, dass sie betroffen sind. Wenn man dann aber die Vermögensverhältnisse aufzeigt und klarstellt, dass das Gros der Steuer von Milliardären bezahlt wird, um die Akkumulation des Kapitals zu kompensieren, dann sollte die Mehrheit das im eigenen Interesse sofort unterstützen.
Persönlich denke ich, dass die Steuer ausgesetzt wurde, weil man die finanzielle Elite stärken wollte so dass deutsche Milliardäre ähnlich wie Musk in Zukunftstechnologien investieren. Ich finde das sogar richtig, da ich politisch gefällten Investitionsentscheidungen nicht traue. Inzwischen habe ich allerdings auch Zweifel, dass Millisrdäre nachhaltige Investitionen tätigen.
Im englischen Wikipedia gibt es eine Erklärung, die es in der Schärfe in der deutschen Version nicht gibt.
https://en.wikipedia.org/wiki/Petite_bourgeoisie
Es ist nicht immer ganz einfach, die Gesellschaftsanalyse von Marx 1:1 auf die jetzigen Zustände zu übertragen, nicht weil ich Marx für Quatsch halte, sondern aber weil seit ihm 150 Jahre vergangen sind und er selber von Veränderungen im Prozess geredet hat. So ungleich der Kapitalismu heute ist, Marx beschreibt ja in seinen Werken auch anekdotisch Situationen, die heute völlig undenkbar sind. Ich erinnere mich da in die Passage wo er erzählte, wie ein Kind an der Maschine arbeiten muss und der Vater dabei das Kind füttert, weil es dafür keine Arbeitspause gibt.
Ich bin grad zu faul, es nochmal nachzuschlagen, aber in deiner zitierten Stelle geht Marx ja auch weiter und spricht davon, dass die petite bourgeoise gerade aus diesem Grund auch ihr eigener Untergang sein wird, weil sie von den Mitteln her eigentlich auf der Seite des Proletariats sein sollten, durch ihre bornierte Einstellung aber widerstandslos von den Kapitalisten aufgefressen werden.
Heute kenne ich viel mehr Leute, die bewusst weniger haben wollen, als sie könnten, mich eingeschlossen. Ich bin (war) selber studierter Ingenieur und lebe ziemlich minimalistisch, finde Autos doof, wenn es auch ohne geht, Hausbau ist mir eh zu kompliziert und die generelle Konsumkritik ist mehr oder weniger verinnerlicht. Im Vergleich hat mein Vater, der sein leben Lang ungelernter Buchhalter war, ein Haus, was sich heute niemand mehr leisten würde und alle 3 Jahre einen neuen SUV.
Natürlich sind mir gewisse Luxuriositäten auch wichtig - die beziehen sich aber mehr auf die Infrastruktur. Ich hätte gerne eine gute Gesundheitsversorgung, schöne Fahrradwege, gerne auch mal ein gutes aber bezahlbares Restaurant und kulturelle Angebote. Was soll ich mit mehr Geld, wenn ich es für nichts ausgeben kann, außer für Konsumgüter, die mich größtenteils nicht interessieren? Sicher gibts auch heute noch genug Yuppies, denen man die Seele wegnimmt, wenn sie ihre goldene Armbanduhr nicht mehr haben, aber es haben sich halt auch schon andere Bewegungen gebildet, die den Begriff Wohlstand auch aus anderen Perspektiven betrachten.
also ich stimme deinem kommentar im allgemeinen zu; ich möchte nur anmerken, solche bewegungen, “die den begriff wohlstand auch aus anderen perspektiven betrachten”, hat es m.m.n. wahrscheinlich immer schon gegeben. also wenn du ins mittelalter blickst z.b. dann gab es auch mönche die halt freiwillig in armut gelebt haben, und konsumkritik ist sicher kein modernes phänomen sondern einfach eine lebenseinstellung gewisser leute, die halt zeitlos ist.
Das Verschwinden der Mittelschicht, genau das passiert gerade.
Kapital kaufen, also Produktivvermögen, kontrollieren, damit etwas besseres passiert als was die Oberschicht plant.
Wenn die Elite die Parteien nicht mehr kauft, sollte das möglich sein.
Dann spiel ich am Ende ja trotzdem deren Spiel mit. Ich würde gerne mit meinem Leben was anderes anfangen, als numbers go up auf Aktienwerte zu schauen. Da müssen meines Erachtens andere Lösungen her, als den guten Kapitalisten mit ganz viel Moral zu spielen.
Das denke ich auch. Genossenschaften finanzieren halte ich für die direkteste Möglichkeit, etwas zu verändern. Wenn die Zahlen nicht immer steigen müssen, kann man auch strategisch Genossenschaften finanzieren, die wichtige Projekte umsetzen.
ja also das kann ich tatsächlich sogar sehr gut nachvollziehen.
ich denke aber, das ist zwar ein einfach gedachtes modell, aber nicht ganz richtig. denn wenn es die mathematischen fähigkeiten gibt, überhaupt aussagen über die weite zukunft zu machen und dementsprechend zu handeln, dann könnten diese fähigkeiten auch vom staat genutzt werden um entscheidungen zu treffen. also zum beispiel, die bank kann beraten aber der staat macht die entscheidungen samt z.b. finanzieller trägerschaft, was wahrscheinlich sogar besser ist weil der staat kann praktisch nicht pleite gehen. dadurch wird es dann auch möglich, deutlich aggressiver zu investieren. die chinesen machen das ja auch sehr ausführlich bei vielen technologiebereichen, z.b. solarzellen wurden 20 jahre lang heftigst subventioniert, damit sie kompetent werden. das würde eine westliche bank nie machen, weil sie einfach viel zu lange durchhalten müsste bevor sie positive ergebnisse sieht. der staat kann sich das leisten (wegen zentralbank, geld drucken, durch steuer gelder hineinleiten usw.)
in china funktioniert’s ja auch sehr gut. es muss nur gut gemacht werden, dann geht das auch. aber ich verstehe deine bedenken. in deutschland, staat, behörden, nee, lass mal eher. sagt zumindest die praktische erfahrung.
Das ist klassische Aristokratie und damit sind das konservative Werte. Zionismus wird nicht die Ursache sein.
jedenfalls, die vorgehensweise der letzten 200 jahre, dass unternehmen entscheidungen hauptsächlich aufgrund des kurzfristigen (max. 20 jahre) gewinns machen, so kann’s nicht weitergehen. wenn alle entscheidungen innerhalb von 20 jahren profitabel sein müssten, dann würde z.b. niemand sich darum kümmern, dass kinder anständig versorgt werden.
was wir brauchen ist eine art von leitfaden, egal wie du es nennen magst, die sicherstellt, dass wir so etwas wie einen plan für die sehr langfristige (min. 20 jahre) zukunft haben. das bedeutet eben auch, dass wir nicht nur 20 jahre in die zukunft blicken, sondern auch 100 oder 500 jahre. und dann die kurzfristigen entscheidungen in abhängigkeit von langfristigen zielen treffen.
das bedeutet eben aber, dass so ein leitfaden gemacht wird. das kann offensichtlich nur durch eine breite gesellschaftliche diskussion¹ geschehen, und genau dafür trete ich ein. wir brauchen so platformen wie lemmy, mit communities, posts, wo diskutiert werden kann, damit die menschheit ihre eigene zukunft einfach erfinden kann, durch diskussion.
[1]: und 100% sicherlich fix nicht von einer sogenannten “expertenkommission”. pah, ich spucke der expertenkommission ins gesicht. das sind nur wieder leute die sich wichtigmachen. wir brauchen eine breite gesellschaftliche diskussion.
Roboter, AI und Resourcenkriege machen das Planen fast unmöglich. Sicherheit kommt nur durch Verzicht auf Freiheit. Freiheit braucht man aber, um reagieren zu können.
Ich denke, der Leitfaden ergibt sich, wenn man Menschen mit Mitgefühl begegnet. D.h. jede Gemeinschaft kann ihn durch ihr tägliches Handeln entwickeln. Schwierig ist, eine Gemeinschaft zu finden, die das reflektiert macht.
also das sehe ich nicht so. erstens denke ich nicht, dass diese ressourcenkriege wirklich kommen werden. lange zeit galt die energieversorgung als der einzige flaschenhals der gesellschaft (“fossile rohstoffe sind endlich, daher können wir nicht unendlich lange als moderne gesellschaft bestehen”); das ändert sich gerade grundlegend durch erneuerbare energien. dadurch wird so etwas wie eine langfristig stabile moderne gesellschaft überhaupt erst möglich, und darüber kann man durchaus analysen schreiben (gleichgewichtsbetrachtungen, etc.). im übrigen muss ich noch einmal die raumfahrt betonen, von der ich glaube dass sie eine große rolle spielen wird in den nächsten 100 jahren.
und dem stimme ich auch nicht zu. denn weder führt ein verzicht auf freiheit zu sicherheit (eher das gegenteil, meistens, denn dadurch können tyrannen erst so richtig loslegen), noch muss man seine freiheit aufgeben für sicherheit. geopolitische stabilität ergibt sich aus der “stabilität des sternenhimmels”, also was damit gemeint ist, dass die welt in länder aufgeteilt ist weil dahinter die vorstellung steckt, dass die welt verschiedene organe braucht genauso wie ein organismus verschiedene organe braucht. und deshalb ist es halt nicht möglich, dass ein land so sagt “naja, ich überfalle jetzt das andere” weil es eben alle länder braucht, nicht nur eins davon.